Vortrag und Diskussion – “Ideologiekritik im marxschen Kapital”

Der Vortrag will den Satz von Krahl, Marx habe die Differenz von Wesen und Erscheinung zum Inbegriff der Kritik gemacht, verständlich machen. Es ist zu zeigen, dass die Kritik der politischen Ökonomie weder – wie die Vulgärökonomie – die bloße Systematisierung der unmittelbaren Erscheinungsform der Verhältnisse ist, noch – wie die klassische politische Ökonomie – die Reduktion der Erscheinungsformen auf ihr Wesen; vielmehr entwickelt die Kritik der politischen Ökonomie durch „genetische Darstellung“ (MEW 26.3, 491) aus dem Wesen (Wert und Mehrwert) dessen Erscheinungsform. Weil in der Erscheinung sich der innere Zusammenhang verkehrt darstellt, produziert die Erscheinung in ihrer Unmittelbarkeit systematisch Schein, also notwendig falsches Bewusstsein – Ideologie im Sinne von Adorno.

Referent: Michael Gaul
26. November 2011
18 Uhr

Kurt-Schuhmacher-Heim der Falken
Haardtring 373, Darmstadt
(Nähe Südbahnhof / Haltestelle der Linie H & R)

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Vortrag und Diskussion: Gender, Eugenik, Magnus-Hirschfeld-Stiftung am 4.April 2011

Die Bundesregierung hat die Errichtung einer “Magnus-Hirschfeld-Stiftung” beschlossen, womit das nationalsozialistische Unrecht an den Homosexuellen pauschal wieder gut gemacht werden soll. Die Stiftung soll sich in den kommenden Jahren vor allem mit Forschungen und Publikationen zu Fragen der Homosexuellen- und Gender-Politik befassen. Der Namensgeber Magnus Hirschfeld jedoch stand keineswegs für die Emanzipation der Homosexuellen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, sondern für eine “rassenhygienische” eugenische Familien- und Fortpflanzungspolitik, wie sie heute zum Beispiel auch von Thilo Sarrazin vertreten wird. Die “Volksgesundheit” und die biologische Stärkung des “deutschen Volkskörpers” war Hirschfelds eigentliches Thema, und Homosexuelle galten ihm vor allem als Träger von Erbschäden und Erbkrankheiten, die aus der menschlichen Keimbahn ausgeschieden werden sollten. Moderne Gender-Konzepte einer “bunten” demokratischen Gesellschaft waren Hirschfeld völlig fremd; ihm schwebte vielmehr ein autoritäres, homogenisiertes Deutschland vor, in dem die Individuen möglichst unauffällig funktionieren und ihre vorher festgelegten Aufgaben erfüllen sollten: eine “formierte Gesellschaft”, wie sie in den faschistischen Modellen Italiens und später auch Spaniens und Portugals und den “peronistischen” Diktaturen Lateinamerikas verwirklicht wurden.

Das Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e.V. (BIFFF…) forscht seit Jahren über Hirschfeld und seine eugenische Politik. Die bisherigen Ergebnisse stehen im Gegensatz zu manchem positiv verzerrten Bild Hirschfelds, insbesondere auch entgegen dem Bild, das der Frankfurter Sexualwissenschaft Volkmar Sigusch aktuell verbreitet. BIFFF…-Leiter Diplom-Psychologe Peter Kratz hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA in Archiven und Bibliotheken neues, bisher unbekanntes Material über Hirschfeld und seine Mitstreiter gefunden und zusammen getragen, das zeigt: Hirschfelds eugenische Positionen deckten sich weitgehend mit denen der Nationalsozialialisten, obwohl diese den jüdisch-stämmigen Hirschfeld verfolgten. Hirschfeld ließ sich seine USA-Reise 1930/31, über die bisher fast nichts bekannt ist und die ihn vor allem zu dortigen Propagandisten der “Rassenhygiene” und Eugenik führte, durch deutsch-amerikanische Nazis organisieren. Seine Gesprächspartner in den USA waren bis auf wenige Ausnahmen überwiegend deutsche, deutschstämmige und amerikanische Rechtsextremisten, die in den USA die deutsche Kriegspolitik des Kaiserreiches propagiert hatten und nunmehr “Rassenhygiene” und Eugenik nicht nur gegen Menschen, die sie als “behindert” definierten, sondern auch gegen afrikanische und asiatische US-Bürger/innen propagierten.

In seinem Kurzvortrag in Darmstadt am 4. April 2011 mit anschließender ausgiebiger Diskussion stellt Kratz erstmals Thesen und Fakten zu seinen Forschungen über Hirschfelds USA-Reise öffentlich vor — eine kleine wissenschaftliche Sensation, in der Hirschfelds persönliche, politische und sexual-”wissenschaftliche” Nähe zur nationalsozialistischen Eugenik, Familien- und Fortpflanzungspolitik deutlich wird und die viel Stoff für lange kontroverse Auseinandersetzungen zwischen den Hirschfeld-Forschern und mit den Hirschfeld-Apologeten bringen wird.

Der Vortrag findet am Montag den 4. April um 19.00 Uhr im Kurt-Schuhmacher-Heim der Falken (Haardtring 373, Nähe Südbahnhof) statt und wird
veranstaltet von der AG Neue Streitkultur und dem AK Ideologiekritik.

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Unter den Überschrift “Holocaust – Auch in Palästina” wurde am 14 Februar 2011 ein Leserbrief im Darmstädter Echo veröffentlicht.

[...]“Das Echo brachte umfangreiche Berichte und Kommentare über den Holocaust in Europa und dass man ihn nicht vergessen dürfe, damit sich so etwas nicht wiederhole. Das ist gut und richtig. Aber leider endet damit die Berichterstattung. Kein Wort darüber, dass die Welt nichts daraus gelernt hat und alle Mahungen nur leere Worte sind.
Warum schreibt das ECHO nicht ebenso ausführlich über den Holocaust in Palästina, der nun schon über drei Generationen anhält und kein Ende in Sicht ist, da heute noch israelische Kinder das Herrenrassendenken lernen? In Darmstadt war im ‘Offenen Haus’ der Evangelischen Kirche eine sehr umfassende und objektive Ausstellung über die systematische Ermordung, Vergewaltigung, Deportation, Plünderung, Enteignung und Entrechtung der Palästinenser zu sehen. Ganze Ortschaften wurden ausgelöscht, selbst vor Frauen und Kindern wurde nicht Halt gemacht.”[...]

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Das Offene Haus – offen für alles?

„Die Thematisierung der Flucht und Vertreibung dieser Menschen, erst recht ihrer Forderungen nach Rückkehr und Entschädigung, gilt bis heute in Deutschlaand [sic] vielfach als Tabubruch. Wir sind aber überzeugt, dass ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden […] keine Chance haben werden.“

Was sich liest wie die einseitigen Geschichtsklitterungen von Neonazis oder von den Vertriebenenverbänden Erika Steinbachs ist dem Begleittext zu einer ebenso einseitigen wie fehlerhaften Ausstellung entnommen:

Im Januar 2011 zeigt „das Offene Haus“ des Evangelischen Forums Darmstadt eine Wanderausstellung mit dem Titel „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“, die vom Freiburger grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon als „verzerrende und polarisierende Darstellung“[1] bezeichnet wird. Auch der Frankfurter DGB Vorsitzende Fiedler sagte die Ausstellung ab, weil sie nicht „auf gegenseitiges Verständnis von Juden und Palästinensern gerichtet ist.“

Die Ausstellungstafeln beginnen mit der Einwanderung von Juden ins britische Mandatsgebiet Palästina und enden mit der heutigen Situation von arabischen Flüchtlingen. Die Veranstalter wollen angeblich nur Fakten zeigen, gaben aber bereits auf der Eröffnungsveranstaltung offen zu, nur die Sichtweise der „Palästinenser“ zeigen zu wollen. Dabei werden grundlegende historische Fakten unterschlagen, wie z.B. die antisemitischen Pogrome in arabischen Ländern vor 1948, die Kooperation des Großmuftis von Jerusalem mit den Nationalsozialisten und auch die aktuelle (Selbst-)Mordpolitik der Hamas. Das Rahmenprogramm ist ebenfalls ein einseitiger Angriff auf das Souveränitätsrechts Israels, von der antizionistischen Propaganda auf den Büchertischen ganz zu schweigen…

Ähnlich wie bei den Kindern und Kindeskindern der deutschen „Vertriebenen“ wird aufgrund einer unter völkischen Gesichtspunkten herbeifantasierten „Verwurzelung“ mit Land, Blut und Boden ein angeblich legitimes Rückkehrrecht gefordert. Was mit den zwischenzeitlich in Israel geborenen Generationen bei einer Rückkehr passieren soll, dürfte wohl bekannt sein. Das Ausmaß der Gewalt lässt sich nur erahnen, den Missbrauch vor Augen geführt, den die palästinensische Gesellschaft an ihren eigenen Kinder begeht.[2]

Wohin die beschränkte Einseitigkeit und Parteilichkeit der deutschen Antizionisten in der Praxis führt, lässt sich ganz einfach am aktuellen Beispiel der sogenannten „Gaza-Flottille“ belegen: Auf jenen Schiffen tummelten sich neben bewaffneten talibannahen „Friedensaktivisten“ der islamistischen „Millî Görüş“ und türkische Faschisten der Organisation „Graue Wölfe“, auch Bundestagsabgeordnete der Linken, sowie der für die Podiumsdiskussion angekündigte Matthias Jochheim. Ein wahrhaft unheilschwangeres Bündnis.

Neben dieser Zusammenarbeit geriert man sich zudem als Opfer eines vermeintliches Verbots Israel kritisieren zu dürfen. Einmal mehr fragt man sich, was diese Leute noch von der rechtsextremen Szene unterscheidet.

Inwieweit diese selbsternannten Tabubrecher mit ihrer einseitigen Konfliktlösung über die Endlösung hinauskommen wird sich zeigen.

AK Ideologiekritik (Januar 2011)

[1] http://jungle-world.com/artikel/2010/46/42116.html

[2] http://www.palwatch.org/

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