„Die Thematisierung der Flucht und Vertreibung dieser Menschen, erst recht ihrer Forderungen nach Rückkehr und Entschädigung, gilt bis heute in Deutschlaand [sic] vielfach als Tabubruch. Wir sind aber überzeugt, dass ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden […] keine Chance haben werden.“
Was sich liest wie die einseitigen Geschichtsklitterungen von Neonazis oder von den Vertriebenenverbänden Erika Steinbachs ist dem Begleittext zu einer ebenso einseitigen wie fehlerhaften Ausstellung entnommen:
Im Januar 2011 zeigt „das Offene Haus“ des Evangelischen Forums Darmstadt eine Wanderausstellung mit dem Titel „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“, die vom Freiburger grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon als „verzerrende und polarisierende Darstellung“[1] bezeichnet wird. Auch der Frankfurter DGB Vorsitzende Fiedler sagte die Ausstellung ab, weil sie nicht „auf gegenseitiges Verständnis von Juden und Palästinensern gerichtet ist.“
Die Ausstellungstafeln beginnen mit der Einwanderung von Juden ins britische Mandatsgebiet Palästina und enden mit der heutigen Situation von arabischen Flüchtlingen. Die Veranstalter wollen angeblich nur Fakten zeigen, gaben aber bereits auf der Eröffnungsveranstaltung offen zu, nur die Sichtweise der „Palästinenser“ zeigen zu wollen. Dabei werden grundlegende historische Fakten unterschlagen, wie z.B. die antisemitischen Pogrome in arabischen Ländern vor 1948, die Kooperation des Großmuftis von Jerusalem mit den Nationalsozialisten und auch die aktuelle (Selbst-)Mordpolitik der Hamas. Das Rahmenprogramm ist ebenfalls ein einseitiger Angriff auf das Souveränitätsrechts Israels, von der antizionistischen Propaganda auf den Büchertischen ganz zu schweigen…
Ähnlich wie bei den Kindern und Kindeskindern der deutschen „Vertriebenen“ wird aufgrund einer unter völkischen Gesichtspunkten herbeifantasierten „Verwurzelung“ mit Land, Blut und Boden ein angeblich legitimes Rückkehrrecht gefordert. Was mit den zwischenzeitlich in Israel geborenen Generationen bei einer Rückkehr passieren soll, dürfte wohl bekannt sein. Das Ausmaß der Gewalt lässt sich nur erahnen, den Missbrauch vor Augen geführt, den die palästinensische Gesellschaft an ihren eigenen Kinder begeht.[2]
Wohin die beschränkte Einseitigkeit und Parteilichkeit der deutschen Antizionisten in der Praxis führt, lässt sich ganz einfach am aktuellen Beispiel der sogenannten „Gaza-Flottille“ belegen: Auf jenen Schiffen tummelten sich neben bewaffneten talibannahen „Friedensaktivisten“ der islamistischen „Millî Görüş“ und türkische Faschisten der Organisation „Graue Wölfe“, auch Bundestagsabgeordnete der Linken, sowie der für die Podiumsdiskussion angekündigte Matthias Jochheim. Ein wahrhaft unheilschwangeres Bündnis.
Neben dieser Zusammenarbeit geriert man sich zudem als Opfer eines vermeintliches Verbots Israel kritisieren zu dürfen. Einmal mehr fragt man sich, was diese Leute noch von der rechtsextremen Szene unterscheidet.
Inwieweit diese selbsternannten Tabubrecher mit ihrer einseitigen Konfliktlösung über die Endlösung hinauskommen wird sich zeigen.
AK Ideologiekritik (Januar 2011)
[1] http://jungle-world.com/artikel/2010/46/42116.html
[2] http://www.palwatch.org/